Archiv für das Tag 'Gedicht'

Gedicht zum Muttertag

admin 25. Februar 2009

{mirago}Ein besonders schönes Geschenk zum Muttertag ist ein Gedicht. Es gibt sicherlich jede Menge davon. Hier einige Vorschläge:

Blumengruß Der Strauß, den ich gepflücket,
grüße dich vieltausendmal!
Ich habe mich oft gebücket,
ach, wohl eintausendmal,
und ihn ans Herz gedrücket
wie hunderttausendmal!

Johann Wolfgang von Goethe
(1749-1832) 

Mutter

Alles, was schön ist, alles, was heilig,
Nennet das Wort dir:
Eine Mutter!
Alles, was Liebe, alles, was Güte,
Das ist ein Hort mir:
Meine Mutter!

Bist du vereinsamt, weit in der Ferne,
Denk nur an jene, die dich geboren,
So wird's dir Trost sein; all deine Leiden
Nimmt sie hinfort dir:
Deine Mutter!

Den nur beklag ich, der nie genossen
Mütterlich Lieben, mütterlich Walten.
Alles, was Leid heißt, trostlos Entbehren,
Klingt in dem Wort dir:
Keine Mutter!

Richard Zoozmann (1863 – 1934)

An meine liebe Mutter!

Nimm den Dank für deine Liebe,
Nimm ihn, beste Mutter, hin
Und den Wunsch aus reinem Triebe
Für dein Wohlsein! Mir verliehn
Hast du vieles Gute, vielen Segen
Mich geleitet stets auf guten Wegen.

Wilhelm Grimm (1786 – 1859)

Das Ei und der Osterhase

admin 20. Februar 2009

{mirago}

Das Ei und der Osterhase
- Ostergedicht Eduard Mörike (1804 - 1875) -

Ostern ist zwar schon vorbei,
Also dies kein Osterei;
Doch wer sagt, es sei kein Segen,
Wenn im Mai die Hasen legen?

Aus der Pfanne, aus dem Schmalz
Schmeckt ein Eilein jedenfalls,
Und kurzum, mich tät's gaudieren,
Dir dies Ei zu präsentieren,
Und zugleich tät es mich kitzeln.
Dir ein Rätsel drauf zu kritzeln.

Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? wohl das Ei?

Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat's der Osterhas gebracht.

Puff-puff Eisenbahn - jetzt fahren wir nach Wiesenplan!

admin 20. Februar 2009

Ostergedicht
Christian Morgenstern (1871-1914)

Puff-puff Eisenbahn -
jetzt fahren wir nach Wiesenplan!

Wiesenplan, das ist die Stadt,
die den Kohlweißling zum Bürger hat.

Der Kohlweißling bewohnt ein Haus,
das sieht wie eine Glocke aus -

wie eine Glockenblume blau!
Da wohnt der Kohlweißling mit seiner Frau.

Und weht der Wind, macht die Glocke kling, kling,
und da freuen sich Herr und Frau Schmetterling.

Puff-puff Eisenbahn!
Jetzt fahren wir wieder aus Wiesenplan

hinaus, hinaus, dem Walde zu . . .
wohin? wohin? . . . Nach - Quellwaldruh!

Der Bahnwärter von Quellwaldruh,
das ist ein Frosch und quakt dazu.

'Quak, quak, aussteigen! quak!
in Quellwaldruh ist heut Ostertag!

In Quellwaldruh ist heut Osterfeier,
da versteckt der Osterhas bunte Eier!

Rote und gelbe und allerlei,
und das Suchen steht allen Fahrgästen frei!

Quak, quak, quak! Guten Tag!'
Guten Tag! Schönen Dank! Herr Bahnwärter Quak!

Und jetzt wollen wir unter den Eichen und Buchen
und Tannen und Birken die Ostereier suchen!

Und im Moos und unter den großen Wurzeln,
darüber die kleinen Kinder purzeln.

Nicht wahr? Und haben wir alle gefunden
und in unsre Sacktücher eingebunden,

dann fahren wir am Abend wieder nach Haus
und packen das Wunder vor Großmutter aus! -

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

admin 3. Januar 2009

Die Gedichte von Joachim Ringelnatz gefallen mir ganz besonders. In diesem Blog möchte ich die Gedichte vorstellen, die etwas mit dem Thema Schenken zu tun haben. Sie sind sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken geeignet.

Schenken
von Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Schenke groß oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten Die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei, Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Dass dein Geschenk Du selber bist.

Zu einem Geschenk
Joachim Ringelnatz

Ich wollte Dir was dezidieren,
nein schenken; was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und die Messinggegenstände oxydieren.

Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
Was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,
etwas Altertümliches dabei -
doch was nützt Dir eine Lanzenspitze!

An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.
Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und Du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.

Nein - das Sofa und so große Dinge
kommen überhaupt nicht in Betracht.
Außerdem gehören sie nicht mir.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht
rumgegrübelt, was ich Dir
geben könnte. Schlief deshalb nur eine,
allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluss hab ich doch nur dies kleine,
lumpige verschlissne Ding gefunden.

Aber gern hab' ich für Dich gewacht.
Was ich nicht vermochte,
tu Du's: Drücke Du
nun ein Auge zu
und bedenke,
dass ich Dir fünf Stunden Wache schenke.
Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.